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Allein die Coiffeurbranche braucht bis zu 150 000 Masken pro Woche

Geposted von Oliver Wicki am

Die Nachfrage steigt, und noch immer ist die Versorgung nicht sichergestellt

Daniel Gerny

Seit über einem Monat sind Coiffeursalons in der Schweiz geschlossen. Für viele Kundinnen und Kunden ist es deshalb eine regelrechte Erlösung, dass sie sich in gut einer Woche endlich wieder die Haare schneiden lassen dürfen. Auch für die Unternehmer bedeutet die Lockerung eine riesige Erleichterung.

Doch mit einem regulären Betrieb ist nicht zu rechnen: Bevor Läden wieder öffnen, müssen sie ein Schutzkonzept für die Kunden und Mitarbeitenden vorlegen. Mit Detailfragen wird sich der Bundesrat in den kommenden Tagen befassen. Es ist aber klar, welche Massnahme bei Coiffeursalons im Vordergrund steht: Maskenpflicht für Coiffeur und Kunden.

Zuerst ein Schutzkonzept

So jedenfalls sieht es das Schutzkonzept vor, das der Branchenverband Coiffure Suisse vorgestellt hat. Während der Bundesrat von einer Maskenpflicht in Geschäften und Supermärkten absieht, werden Hygienemasken damit auch in der Schweiz für ein breites Publikum im Alltag erstmals an gewissen Orten obligatorisch.

Auch in anderen Bereichen, in denen sich Dienstleister und Kunden nahe kommen, etwa bei der Physiotherapie oder in Nagelstudios, ist mit einer Empfehlung oder gar mit einer Pflicht zum Maskentragen zu rechnen. Bilder aus den Nachbarländern, die bereits Empfehlungen abgegeben oder gar ein Obligatorium eingeführt haben, prägen die Wahrnehmung zusätzlich. Mehr und mehr werden sich Hygienemasken so in den nächsten Tagen ins ganz normale Alltagsbild einfügen.

1 Franken 50 pro Stück

Doch woher nehmen? Noch immer gibt es Lieferengpässe. Wie Daniel Koch vom BAG am Freitag erklärte, sind momentan beim Bund rund 20 Millionen Masken vorhanden. Bis Ende April sollen 100 Millionen Stück zur Verfügung stehen. Davon sollen gemäss Koch eine gewisse Anzahl für die Branchen zur Verfügung gestellt werden, die Masken für ihre Schutzkonzepte benötigen.

In Apotheken werden die Masken vielerorts – wenn überhaupt – nur in kleiner Anzahl und zu horrenden Preisen verkauft. 1 Franken 50 pro Maske sind keineswegs die Ausnahme – ein Vielfaches der sonst üblichen Kosten. «Die Versorgung mit Masken ist eine Katastrophe. Natürlich möchten wir gefährdete Personen mit Hygieneschutzmasken ausrüsten», ereifert sich Stephanie Balliana vom Apothekerverband Pharmasuisse: «In vielen Apotheken und Drogerien fehlen aber sogar Hygienemasken für den Eigenbedarf.» Und die Nachfrage werde in die Höhe schnellen, wenn die Empfehlungen des Bundesrats angepasst würden. Auf Bundesebene sei weder die Beschaffung noch die Finanzierung zufriedenstellend koordiniert und gelöst, konstatiert Pharmasuisse.

Von welchen Grössenordnungen die Rede ist, veranschaulicht eine einfache Rechnung im Zusammenhang mit der Wiedereröffnung von Coiffeurgeschäften: Rund 11 000 Angestellte arbeiten laut Damien Ojetti, Zentralpräsident von Coiffure Suisse, in der Branche. Geht man von acht Arbeitsstunden aus und rechnet man mit einer Tragezeit von drei Stunden pro Maske, ergibt dies 150 000 Masken, die pro fünftägige Arbeitswoche alleine auf Arbeitgeberseite notwendig sind.

Selbst wenn die Zahl wegen der Teilzeitbeschäftigten tiefer ausfällt, ist der Bedarf aber weit höher, weil gemäss Schutzkonzept des Verbandes auch die Kunden eine Maske tragen müssen. Und die übrigen Dienstleister, bei denen Masken ebenfalls angezeigt sind, sind nicht mitgerechnet.

Handicap auf dem Weg zurück

Coiffure Suisse will im Verlaufe des Wochenendes auf seiner Website darüber informieren, wo Masken eingekauft werden können. Abklärungen sind laut Ojetti im Gang. Die Beschaffung bleibt allerdings Sache der einzelnen Geschäfte – auch jene des anderen Schutzmaterials wie Plexiglaswänden oder Plexiglasvisiermasken, wie sie bei der Bartpflege oder der Kosmetik vorgesehen sind.

Auch der Entscheid, ob den Kunden von den Coiffeurgeschäften Masken abgegeben werden oder diese für die Beschaffung selber zuständig sind, liegt in der Kompetenz der einzelnen Anbieter. Es erscheint keineswegs ausgeschlossen, dass das Geschäft in den Salons auch wegen der knappen Anzahl Masken nicht richtig in Schwung kommt.

Aus dem NZZ-E-Paper vom 18.04.2020