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Die Maske schützt auch ihre Träger

Geposted von Oliver Wicki am

Lange hiess es, Masken würden nur das Gegenüber schützen. Das stimmt nicht, wie neue Studien zeigen. Masken reduzieren insgesamt die Übertragungen stark und schützen auch den Maskenträger selbst.


Alexandra Bröhm

Masken schützen nur die anderen, haben wir im Frühling immer wieder gehört, und helfen bei der Eindämmung des Coronavirus kaum. Doch dieser Wissenstand aus den Anfangstagen der Pandemie ist überholt. Heute weiss man, dass das so nicht stimmt.

Verschiedene Studien haben in den letzten Wochen zwei Dinge gezeigt: Maskentragen ist nicht nur ein Akt der Solidarität, sondern eine Maske schützt auch den Menschen, der sie trägt, zu einem gewissen Mass vor einer Ansteckung. Ausserdem können Masken die Übertragungsraten in der Öffentlichkeit um bis zu 80 Prozent senken. Das sagt die Science Task Force des Bundes in einem aktuellen Bericht, den die Forscher am Montag veröffentlichten. Im Bericht geht es darum, wie man am besten auf wieder ansteigende Fallzahlen reagieren soll. Eine der Massnahmen ist die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr und überall dort, wo man sich sonst zu nahe kommt.

«Wir wissen aus unserer Erfahrung im Spital: Masken schützen auch denjenigen, der sie trägt.»
Huldrych Günthard, leitender Arzt an der Klinik für Infektionskrankheiten

Die Schweizer Experten zitieren im Bericht eine gross angelegte Untersuchung, die im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation Anfang Juni erschienen ist. Eine internationale Forschergruppe hat eine grosse Anzahl Studien mit insgesamt über 25'000 Teilnehmern ausgewertet und überprüft, was am ehesten eine Ansteckung verhindert. Zu diesem Zeitpunkt konnten die Wissenschaftler auch auf Studien zurückgreifen, 
in denen es tatsächlich um Coronaviren ging.

Zu Beginn der Pandemie basierten die meisten Schutzkonzepte auf bisherigen Erfahrungen mit Grippe. «Gesichtsmasken schützen nicht nur das Gesundheitspersonal, sondern auch Menschen im öffentlichen Raum vor Ansteckung», schreiben die US-Forscher. Die Experten der Schweizer Task Force hatten deshalb erst kürzlich in einem weiteren Bericht festgehalten: «Jemand, der eine Maske trägt, senkt nicht nur das Risiko, andere anzustecken, sondern ist auch selbst weniger gefährdet.»

Weniger Infizierte in Städten mit Maskenpflicht

Nicht nur die WHO-Studie hat in den letzten Wochen die Schutzwirkung von Masken nachgewiesen. Eine weitere Untersuchung aus den USA brachte ebenfalls deutliche Resultate zu der Gesamtwirkung von Masken. Die amerikanischen Forscher nutzten die unterschiedlichen Vorschriften in den 50 Staaten der USA für ihre Arbeit. Sie verglichen die Infektionsraten in Staaten mit und ohne Maskenpflicht zwischen Anfang April und Anfang Mai und berechneten den Effekt der Masken. In den 15 Staaten mit Maskenpflicht verhinderte das Maskentragen in wenigen Wochen bis zu 450'000 Neuansteckungen. Auch in Deutschland fanden Forscher der Universität Mainz in einer Vergleichsstudie heraus, dass die Infektionszahlen in der Stadt Jena, wo schon früh Maskenpflicht herrschte, deutlich weniger schnell stiegen als in umliegenden Städten ohne eine solche Pflicht.

Eine weitere Studie kam zum Schluss, dass Länder, in denen das Maskentragen kulturell verankert ist, während der Corona-Pandemie sogar eine tiefere Sterblichkeit aufwiesen als andere Länder. Allerdings sind es viele Faktoren, welche die Sterblichkeit in einem Land beeinflussen; auch die Qualität des Gesundheitssystems und ob dieses überlastet ist, spielt eine entscheidende Rolle.

Für Spitalärzte kommt all dies nicht überraschend. So sagte Huldrych Günthard, leitender Arzt an der Klinik für Infektionskrankheiten des Universitätsspitals Zürich, schon vor einigen Wochen im Interview mit dieser Zeitung: «Wir wissen aus unserer Erfahrung im Spital: Masken schützen auch denjenigen, der sie trägt.»

Masken alleine schützen nicht genug

Um sich einen neuen Wirt zu suchen, reisen die Coronaviren in Tropfen, die wir beim Husten, Niesen und Sprechen ausstossen. Vor allem für grössere Tropfen, die beispielsweise durch den Bus fliegen, wenn jemand niest, bietet eine Maske vor Nase und Mund eine physische Barriere, damit wir sie nicht einatmen. Die winzigsten Tropfen – auch Aerosole genannt – können Hygiene- oder Stoffmasken weniger abhalten. Auch weil diese an Nase und Kinn nicht luftdicht sitzen.

Was alle Studien und Experten zudem betonen: Masken alleine schützen nicht ausreichend vor Ansteckung, sondern sind in Kombination mit den Hygiene- und Abstandsregeln effektiv. 

«Werden Massnahmen zu spät eingeführt, wird es viel schwieriger, 
die Epidemie zu kontrollieren.»

Aus dem Strategiepapier gegen das Coronavirus

Aufhorchen lassen noch weitere Punkte des Strategiepapiers, wenn man die aktuelle Situation betrachtet. So schreiben die Experten, es sei entscheidend, schnell zu reagieren, wenn die Zahlen steigen: «Werden Massnahmen zu spät eingeführt, wird es viel schwieriger, die Epidemie zu kontrollieren», heisst es in dem Bericht. 

Warum das so ist, begründen die Forscher auch gleich: Wartet man zu, ist man rasch wieder im exponentiellen Wachstum, wo nur noch drastische Massnahmen helfen. Zudem erkranken deutlich mehr Menschen schwer, und es dauert länger, bis die Fallzahlen wieder sinken. So entstehe ein «Teufelskreis», weil die Kapazitäten des Contact-Tracing, einem der wichtigsten Instrumente zur Eindämmung, irgendwann erschöpft seien – genau dann, wenn das Contact-Tracing eigentlich zentral wäre. Anfang März hatten die Behörden schon rund eine Woche nach dem ersten Schweizer Fall das Contact-Tracing aufgegeben und dafür ordentlich Kritik bekommen. 

Auch zu der Reihenfolge von Massnahmen, die man bei steigenden Zahlen treffen sollte, äussern sich die Forscher: Weil das Verhalten der Bevölkerung eine entscheidende Rolle spielt, sollten Informationskampagnen als Erstes wieder intensiver laufen. Schon an zweiter Stelle folgt die Maskenpflicht, gefolgt von Veranstaltungsverboten und vorübergehenden Schliessungen. Ziemlich düster lautet die Prognose, wenn eindämmende Massnahmen nicht mehr greifen oder zu spät kommen: «Jedes exponentielle Anwachsen der Fallzahlen wird unser Gesundheitssystem ab einem gewissen Punkt kollabieren lassen; noch mehr Tote als in der ersten Welle wären die Folge.»