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Maskenpflicht? Wir schizophrenen Schweizer

Geposted von Oliver Wicki am

Maskenpflicht? Wir schizophrenen Schweizer

Keiner zieht sie sich im ÖV freiwillig an – aber eine Mehrheit wünscht sich eine Pflicht: Hat die Bevölkerung in der Pandemie das selbstständige Handeln verlernt?

 

Wer die Maske im öffentlichen Verkehr trägt, fühlt sich von der Mehrheit im Stich gelassen.

 von Michael Marti

Das soll mal jemand erklären.

Auf der einen Seite erfahren wir: Eine überwältigende Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer wünscht sich die Maskenpflicht in Bus, Tram und Zug. Diesen Schluss lässt jedenfalls die aktuelle Tamedia-Umfrage zu, an der binnen 24 Stunden mehr als 10’000 Personen teilnahmen: 75 Prozent der Userinnen und User antworteten auf die Frage «Braucht es nun eine Maskenpflicht im ÖV?» mit einem Ja. Damit bestätigen sich notabene frühere Umfrageergebnisse.

Bloss, auf der anderen Seite sehen wir Tag für Tag in Bus, Tram und Zug: Fast keine und keiner trägt freiwillig eine Schutzmaske. EineTamedia-Untersuchung von letzter Woche hat gezeigt, dass von 10’000 Personen im öffentlichen Verkehr nur sechs Prozent mit einer Hygienemaske unterwegs waren.

Selbstverständlich muss man berücksichtigen, dass die Online-Umfrage nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung ist; aber Statistiker wissen, Befragungen mit dermassen vielen Teilnehmenden sind durchaus aussagekräftig. Und die genannte Zählung von Maskentragenden in den Bahnhöfen von Bern, Lausanne und Zürich bestätigt den offensichtlichen Widerspruch zwischen Fordern und Handeln, den wir alle im Alltag gewinnen.

Da ist der Wunsch, dass alles wieder werde wie vor dem Corona-Albtraum. 

Sind wir Schweizerinnen und Schweizer in der Maskenfrage schizophren? Oder, weniger salopp formuliert, innerlich gespalten? Unfähig zu einer eigenständigen Entscheidung?

Dabei wissen wir doch: Das ÖV-Personal wünscht sich, dass wir aus Solidarität eine Maske tragen. Allein schon das sollte uns Grund genug sein – selbst wenn Experten den Nutzen von Masken unterschiedlich bewerten. In den vergangenen Monaten haben wir zahlreiche Berufsgruppen als Pandemie-Helden gefeiert. Es fällt einem kein Argument ein, weshalb wir jetzt den Angestellten im öffentlichen Verkehr unser Verständnis und Entgegenkommen verweigern sollten.

Die Schweizer Bevölkerung nimmt für sich in Anspruch, dass sie nicht obrigkeitshörig ist. Dass sie selbstbestimmt denkt und handelt – und oft tut sie dies auch. So widerspiegelt sich womöglich im Widerspruch zwischen Maskenverweigerung und dem Wunsch nach einer Maskenpflicht die Gespaltenheit, die viele von uns empfinden. Da ist zum einen der Wunsch, alles möge wieder werden wie vor diesem Corona-Albtraum. Zum anderen jedoch die Befürchtung, dass die Aufhebung des Lockdown zu früh und überstürzt, vollzogen wird. Aus Angst entsteht der Wunsch nach der Maskenpflicht – doch die Sehnsucht nach Normalität untergräbt die Bereitschaft, sich freiwillig eine aufzusetzen.

Kommt hinzu: Das Bundesamt für Gesundheit hat unser Verhältnis zu Hygienemasken von Anfang an belastet. Zwar empfohlen, aber nicht verordnet: Unentschlossenheit ist nicht, was sich ein Volk in einer Grosskrise wünscht. Dieses Lavieren ist die grosse Panne im Bekämpfen der Pandemie. Allein schon aus massenpsychologischer Perspektive. 

Eine Gesichtsmaske hat, soweit bekannt, noch niemandem geschadet. Und mittlerweile sind sogar ausreichend eingelagert.

Das Sicherheitsbedürfnis des ÖV-Personals und der Wunsch der Mehrheit: Das reicht doch, sich freiwillig und souverän eine Maske umzubinden. Und nicht darauf zu warten, bis es alle auf Befehl von oben tun.